Literaturkurse und Theater





Ob Theaterbesuche oder auch selbst mal in fremde Rollen schlüpfen und auf der Bühne stehen - am Gymnasium der Stadt Alsdorf ist alles möglich! Das Angebot an kultureller Bildung ist weit gefächert!

Allen Schülerinnen und Schüler unserer Schule werden kontinuierlich Gelegenheiten geboten, Aufführungen unserer regionalen Theater vergünstigt oder nicht selten auch, dank der von der Städteregion zur Verfügung gestellte Bildungspauschale, kostenlos zu besuchen. So nehmen wir seit mehreren Jahren jährlich mit diversen Klassen zwei Produktionen des Grenzlandtheaters, die im Energeticon Alsdorf gezeigt werden, wahr. Eine Vorstellung, wie z. B. die „Geschichte von Lena“, in der das Thema Mobbing aufgriffen wird, oder die kindgerechte Verarbeitung des Heldenepos „Mein Parzival“ richtet sich jeweils an jüngere Schülerinnen und Schüler, so dass die fünften und sechsten Klassen in den letzten Jahren immer in den Genuss kamen, spannenden Aufführungen beizuwohnen und regelrecht mitzufiebern. In der zweiten Vorstellung werden eher klassische Stücke verarbeitet und neu inszeniert, wie z. B. Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ oder das ursprünglich von Edmond Rostand geschriebene romantisch-komödiantische Versdrama „Cyrano“, eine einfühlsame Liebesgeschichte, die von der Not eines Menschen erzählt, der sich in seinem Körper nicht wohl fühlt und an seinem Aussehen leidet. Somit werden hier thematisch eher die im wahrsten Sinne des Wortes „größeren“ Theaterfreunde unserer Schule angesprochen. Nach den Besuchen bietet die Theaterpädagogin des Grenzlandtheaters, Frau Anja Geurtz, eine Nachbesprechung an, wobei die Schülerinnen und Schüler auch die wohl eher selten vorkommende Möglichkeit haben, persönlich mit den Schauspielern in Kontakt zu treten und Fragen zur jeweiligen Produktion zu stellen.

Darüber hinaus nehmen wir kontinuierlich Aufführungen des Aachener Stadttheaters wahr: Die Kinder der Jahrgangsstufe 5 besuchen z. B. mit großer Begeisterung und Vorfreude jährlich das „Weihnachtsmärchen“ und die Oberstufenschülerinnen und -schüler werden eingeladen, gemeinsam mit ihren Deutschkurslehrkräften Produktion zu abiturrelevanten Themen, wie z. B. „Iphigenie auf Tauris“, „Mario und der Zauberer“ oder „Woyzeck“ zu besuchen. Besonders die zuletzt genannte Aufführung hat bei den Schülerinnen und Schüler aufgrund einer unerwarteten Modernität und Freizügigkeit der Darstellung für viele Überraschungen und somit für enormen Gesprächsbedarf gesorgt.

Dank der Initiative von Frau Rautenberg lernen die Kinder im Laufe ihres Schullebens auch das englischsprachige Theater kennen. Das White Horse Theatre, Europas führendes pädagogisches Tournee-Theater, besucht uns jährlich und amüsiert die Unter- und Mittelstufenschülerinnen und -chüler durch Spaß vermittelnde Aufführungen zu unterschiedlichen Themenbereichen und motiviert dadurch zugleich zum Englischlernen. Somit werden hier gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Neben diesen körperlich doch eher passiven Theaterbesuchen unserer namhaften lokalen Spielstätten besteht für unsere Schülerinnen und Schüler auch ein vielfältiges Angebot selbst aktiv zu werden und auf die Bühne zu steigen: So können sie in der Qualifikationsphase einen Literaturkurs belegen, der bislang mit großem Engagement von Frau Sörgel oder Herrn Müller gegeben worden ist. In diesen Kursen wird nicht zuletzt auch dank der Flexibilität der Kursleiter/in der Kreativität der Akteure nahezu keine Grenze gesetzt. So gab es in den letzten Jahren sowohl eher klassische Theateraufführungen, wie z. B. die von Frau Sörgel angeregte Produktion „Die lieben Diven“ von Erika Kapeller als auch abstrakte Ideenspiele. Zu Letzteren zählt sicherlich nicht nur die ebenfalls von Frau Sörgel initiierte Transformation von Friedrich Schillers Drama „Kabale und Liebe“ in die Zeit des Nationalsozialismus, woraus ein Filmtrailer gedreht wurde, sondern auch die Verarbeitung von Lessings „Emilia Galotti“ in Form von Emilias Tagebüchern und eines weiteren Filmtrailers.

Auch die inhaltliche Auslegung der Literaturkurse von Herrn Müller zeichnen sich durch Ideenreichtum aus: So wurde z. B. zuletzt die Idee, eine Figur in den Mittelpunkt zu stellen, die jedoch selbst nicht Erscheinung tritt und nur durch Menschen aus dem Umfeld, Familie, Freunde usw. zu zeigen, verarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses haben die Hauptfigur als Schülerin ungefähr ihres eigenen Alters festgelegt. Die weiteren Figuren ergaben sich aus dem Kreis der Freunde und Mitschüler, die ganz unterschiedlich

zur Hauptfigur standen und auch unterschiedlich auf das Verschwinden reagierten. Im Verlauf der Arbeit haben die „Regisseure“ entschieden, die Geschichte als Film mit dem Titel „Wenn mein Leben weitergeht" umzusetzen. Die Präsentation des Projektes in Form eines Filmes wurde von allen Literaturkursen des Jahrgangs aufgegriffen und war ein Novum in der Geschichte der Literaturkurse an unserer Schule.

Für alle diejenigen, die nicht bis zur Qualifikationsphase warten möchten, bis sie ihre schauspielerischen Qualitäten unter Beweis stellen können, leitet Frau Tholen seit mehreren Jahren eine Theatergruppe, die bereits durch spannende Aufführungen zu Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie „Der Besuch der alten Dame“ oder zu Max Frischs Trauerspiel „Andorra“ überzeugen konnte. Ob Bühnenbild, Schminke, Kostüme, Technik oder Texte lernen, alle Aufgaben wurden und werden stets selbstständig von den Schülerinnen und Schüler in die Hand genommen und mit Feuereifer erledigt. Da die ein oder anderen großen schauspielerischen Talente, die sich auf unserer Bühne gezeigt haben, unsere Schule aufgrund des bestandenen Abiturs bereits verlassen haben, hat sich die Theatergruppe im letzten Jahr stark verjüngt, so dass in der nächsten Aufführung, einer Bühnenfassung zu Michael Endes „Momo“, auch die Kleinen unserer Schule „zu großen Bühnenstars“ werden können. Das Theaterspielen bietet den Schülerinnen und Schüler Abwechslung vom traditionellen Lernen im Klassenraum, sie können sich frei auf der Bühne entfalten, Hemmungen abbauen und zugleich werden Aussprache, Intonation und das freie Sprechen verbessert. Die Kinder zeigen dabei ein derart hohes Maß an Freude und Motivation, so dass die Arbeit nicht nur ihnen, sondern auch der Leiterin einfach nur Spaß macht.

Unsere Schule bietet dementsprechend für jeden Schülertyp eine Möglichkeit die Theaterwelt kennenzulernen und zu erproben, ob nun körperlich eher aktiv oder passiv - das spielt keine Rolle! Auf die innerliche Bewegung, der empathischen Reifung, oder nach Aristoteles gesprochen auf die Empfindung von „eleos“ und „phobos“, kommt es an und diese führt im klassischen Sinne zur „Katharsis“/ bzw. in der heutigen Zeit zur kulturellen Teilhabe und zur Entwicklung einer kulturellen Identität.